Ein unverhofftes Go East Training
Ein unverhofftes Go East Training
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Erlebt und geschrieben von Simon Gübeli

Vielen Dank an Thomas Kindlimann für den Stafettenstab.
Bisher wurden in der Stafette schon viele grossartige und inspirierende Flüge beschrieben oder Einblicke in ganze Fliegerleben gegeben. Womit fährt man da nun weiter?
Vielleicht mit einem kleinen Flug am Anfang des Jahres, der unverhofft zu einem Hike & Fly Abenteuer wurde?
Aber alles der Reihe nach: In der ersten Aprilwoche 2025 sah die Prognose für das Wochenende super aus. Zeit, sich auch flugtechnisch auf das Go East vorzubereiten und wieder etwas Flugkilometer zu sammeln. Aber, je näher das Wochenende kam, desto mässiger wurden die Prognosen. Laut Meteo vom Vorabend sollte es am Samstagnachmittag sogar noch von Ost hereindrücken…
So hiess es am Samstagmorgen, die Erwartungen runterschrauben, und zumindest mal das Go East Material testen und spazieren fliegen.
Vom Hüebli aus lief ich hoch auf die Scheidegg, wo anscheinend ein Regio Training stattfand. Als mir Gübi (Michi, nicht ich selbst ;-)) dann noch erzählte, dass sie einen Task zum Speer und zurück über den Tanzboden planten, keimte wieder die Hoffnung auf, dass es trotzdem vielleicht etwas auf Strecke gehen könnte.
Also nix wie los!
Über der Krete ging es zügig auf 1700m hoch. Eigentlich wollte ich ja den Regio Jungs und Mädels nachfliegen, aber unter dem Luftraum zu warten, bis sie endlich ihren Start haben, war mir dann doch etwas zu mühsam: Ich kann ja mal ein bisschen vorfliegen, die schliessen ja sicher schnell auf. Ich nehm mir einfach Zeit.
Über der Schwammegg konnte ich ausgiebig das neue Luftraum-Layout austesten und beim zweiten Versuch gings ausserhalb des Luftraums bereits auf knapp 1800m. Das musste reichen für den Ricken, und so ging es weiter zur Alp Egg, wo es guten Anschluss gab.
Mit komfortabler Höhe gings von da aus weiter Richtung Hüsliberg. Am Startplatz unter mir herrschte emsiges Treiben. Trotzdem schien es von unten nicht wirklich hochzugehen.
Auch bei mir oben kam die Höhe nur zäh, und so bastelte ich unter dem Chüemettler einiges rum. Als es oben immer schwächer stieg, aber trotzdem unruhiger wurde, fragte ich mich, ob da schon der Wind von Osten her durchdrückt.
Also überlegte ich, warum nicht mal versuchen, mich nach vorne zu mogeln und ans Hirzli rüber zu wechseln. Vielleicht kann man da noch was an der Flanke rausholen.
Frei nach dem Motto „Flucht nach vorne“ nahm ich die Querung viel zu tief in Angriff und machte zwischen Ziegelbrücke und Bilten Bekanntschaft mit dem Talwind, der ins Glarnerland zog. - Man hätte vermutlich mit dem Wind ins Glarnerland gleiten können, um da aufzusoaren, aber zu dem Zeitpunkt kam ich nicht auf diese Idee.
Langer Rede, kurzer Sinn, stand ich da im Talwind und ging mit dem Lift nach unten. So stand ich kurze Zeit später auf einer Wiese in Bilten: Abgesoffen!
Naja, immerhin war das der erste kleine Streckenflug der Saison, und der Bahnhof war ja auch nicht weit. - Aber soll der Tag tatsächlich so schon enden?
Beim Zusammenpacken schweifte dann der Blick wieder zurück Richtung Hüsliberg, da schienen immer noch einige am Fliegen zu sein.
Da kamen so einige Gedanken in mir auf:
- Wäre schon nett, da nochmals in die Luft zu kommen… es ist ja noch nicht mal 15:00 Uhr.
Und eigentlich wollte ich ja sowieso noch etwas für das Go East trainieren…
Wie weit es wohl dahin ist? Vielleicht etwas über eine Stunde bis nach Rufi und dann einmal hoch. Sieht auch nicht mal so hoch aus (die berühmten letzten Worte…).
Bis der Rucksack gepackt war, war auch der Entschluss gefasst. Das Abenteuer soll weiter gehen. Vielleicht kann man ja ab dem Hüsliberg noch etwas Strecke gut machen, um zurück zum Auto zu kommen.
Bei schönstem Frühlingswetter ging es also zu Fuss weiter durchs Linthgebiet Richtung Rufi. Unterwegs schaute ich mal auf Burnair, wo es denn am Hüsliberg genau hoch gehen soll. Die meinten da was von 1.5h für den Aufstieg - sieht aber von unten gar nicht so hoch aus - kann doch sicher nicht mehr sein als auf die Scheidegg…
Nach den flachen Kilometern traf ich dann in Rufi an der Bushaltestelle die ersten Piloten, die auf dem Heimweg waren. Die meinten dann, ich hätte gerade den Bus hoch verpasst, und zu Fuss seien das fast 2h zum Startplatz. Langsam kam so der Gedanke auf, dass ich den Aufstieg doch etwas unterschätzt haben könnte.
Je länger ich da am Hüsliberg im Wald hoch wanderte, desto grösser wurden die Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee war.
Etwa auf halbem Weg war ich mir dann wirklich nicht mehr so sicher, ob ich denn da noch früh genug hochkommen würde, und ausserdem fühlten sich meine Beine auch nicht mehr allzu frisch an - der untere Teil hatte es erstaunlich in sich, besonders wenn man bereits von Bilten her gelaufen ist.
Also musste eine Pause her, um kurz mein Leben zu überdenken. Nach einem Biberli und fleissigem hydrieren kamen die Lebensgeister wieder zurück, und der restliche Aufstieg schien wieder realistisch.
Bis um 18:00 Uhr sollte ich oben sicher rauskommen, und das reicht zumindest für einen Abgleiter zur nächsten Busstation.
Falls oben gar nichts mehr geht, sollte ich es vor dem Eindunkeln auch wieder zu Fuss runter schaffen. Damit hatte ich auch einen Plan B.
Also gings weiter nach oben. - Was so etwas essen und trinken alles ausmachen kann!
Am Startplatz war gerade noch jemand am Zusammenpacken, weil er das Auto oben parkiert hatte. Er sagte mir dann, dass er vor ein paar Minuten noch vor dem Startplatz etwas Thermik gehabt hätte. Also nichts wie parat machen und starten.
Siehe da, nach dem Start ging es tatsächlich mit vereinzelten 0-Schiebern Richtung Kaltbrunn. Nach Maseltrangen sah ich einen Bussard am Hang Höhe machen und gesellte mich zu ihm. Nach ein paar Minuten Hang polieren und Höhe knapp halten können, gab der Bussard auf und flatterte weiter. Auch ich musste mir dann eingestehen, dass der Tag vermutlich nun flugtechnisch gelaufen war und gleitete weiter nach Kaltbrunn.
Nach der Landung gegenüber dem Strassenverkehrsamt hatte ich auf dem Rückweg zum Auto im Hüebli schön Zeit, mir das heutige Abenteuer nochmals Revue passieren zu lassen:
Das war gar nicht so ein schlechter Tag für einen Absaufer in Bilten.
Der Tag zeigte mir wieder mal auf, dass es sich lohnen kann, nicht zu früh aufzugeben, und dass man dem Abenteuer zwischendurch mal eine Chance geben sollte, auch wenn es „nur“ vor der Haustüre ist.
Damit würde ich den Flugstafettenstab gerne an Mr. Go east himself, Thomas Kamps, weiterreichen. Er hat sicher etwas Spannendes zu berichten!


