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Überraschend schöner Abendflug im Pinzgau


19. August 2025

Überraschend schöner Abendflug im Pinzgau

  • Erlebt und geschrieben von Simon Wenger
Start in den Abendflug
Start in den Abendflug
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Für mich ist das Gleitschirmfliegen ein wunderschönes Hobby, welches für intensive Erlebnisse und auch immer wieder für Überraschungen sorgt. So auch an diesem Tag im Pinzgau, im Rahmen der Flugwoche Österreich des Flycenter Zürcher Oberland.

Die Thermikprognosen liessen mich einen längeren Flug erwarten, doch als ich nach dem Start am Wildkogel in den Beinsack schlüpfte, merkte ich, dass da etwas nicht stimmt. Der Beinsack bleibt offen und beim Strecken der Beine merke ich, dass mir etwas den Oberschenkel einschnürt. Und dies ausgerechnet heute, wo die beste Thermik der ganzen Woche vorhergesagt ist! Durch den Gebrauch einiger Kraftausdrücke konnte ich meinen Ärger soweit unter Kontrolle bringen, dass ich wieder einigermassen klar denken konnte. So fasste ich den neuen Plan: Etwas Höhe machen, und möglichst bald irgendwo toplanden. Doch die Thermik ist schwach, und die Leine des Beinsackes drückt immer unangenehmer auf den Oberschenkel. Nächster Plan: Weiter unten landen. Für meine Skills war das aber leider erst sehr weit unten möglich. Gelandet, Beinsack korrigiert und nochmals optimistisch gestartet, doch so tief über dem Talboden war nichts mehr auszurichten. So stand ich also viel zu früh und enttäuscht am Landeplatz in Neukirchen. Dass man am Wildkogel am Nachmittag besser nicht mehr startet (Bayerischer Wind), verbesserte meine Laune nicht. Immerhin war ich nicht der Einzige von unserer Gruppe, welcher nicht wegfliegen konnte, und so verbrachten wir den Nachmittag am Badesee gleich neben dem Landeplatz.

Als am späteren Nachmittag der Rest unserer Gruppe von ihren Flügen zurückkehrte, kam das Fluggebiet Hollersbach nochmals auf den Tisch. Einerseits hatten Thomas und ich letztes Jahr gleich unterhalb campiert, und zusätzlich wurde es uns auch von den Locals für einen Abendflug empfohlen.

So fuhr Thomas uns zum 300 Höhenmeter über dem Talgrund gelegenen Startplatz Berghof, mit dem Plan, ein bisschen im Bayerischen Wind zu soaren, und anschliessend zum Hotel in Bramberg abzugleiten. Am Startplatz herrschte ein perfekter Wind, weshalb wir sehr schnell in der Luft waren. Gleich vor dem Startplatz konnten wir etwas Höhe gewinnen und fanden nach einigem Probieren hinter dem Startplatz Anschluss an die Thermik. Die nordwestliche Bergflanke wird von der Abendsonne optimal angestrahlt; es geht sanft und gleichmässig hoch. Beinahe wie bei einer Skitour können wir die ganze Flanke abfliegen, eine "Spitzkehre" mache und unter stetigem Steigen wieder bis zum anderen Ende der Flanke fliegen. Am Ende erreichten wir um 19:30 Uhr

3000 müM, die Sonne stand tief und die Aussicht auf Gipfel und Gletscher des Grossvenediger war einmalig! Wenn man einen solchen Moment auch noch genau mit jenem Bergkameraden teilen darf, mit welchem man die ersten Flugversuche gemacht hat, was will man mehr?

Die Kollegen am Boden gaben per Funk durch, dass sich die Führenden des diesjährigen X-Alps in unserer Nähe befinden, doch ich suchte sie am falschen Ort: Sie flogen nochmals 500 m höher als wir.

Der langsam aufkommende Hunger veranlasste uns dann, Richtung Landeplatz zu fliegen. Am Funk wurde freundlicherweise durchgegeben, dass das Nachtessen ausgezeichnet schmecke.

Doch bei unserer Ankunft teilte uns der Hotelwirt mit, dass die Küche bereits geschlossen sei.

So blieb uns nichts anderes übrig, als noch etwas Nahrung in flüssiger Form aufzunehmen und dann hungrig zu Bett zu gehen. Netterweise hatten unsere Kollegen bereits für uns eingecheckt und sogar auch noch unser Gepäck ins Zimmer getragen, ganz herzlichen Dank!
Einfach erfrischend, für welche Überraschung das Fliegerleben sorgt.

Wünsche auch euch schöne, sichere Flüge und möglichst viele positiven Überraschungen!

Gruess, Simon Wenger

Der Stafettenstab geht weiter an Danilo Bargen.