Fliegen im schönen Oberengadin
Fliegen im schönen Oberengadin
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Erlebt und geschrieben von Robert Kunz

Die Winterferien verbringe ich sehr gerne im Oberengadin, jeweils in der ersten Märzwoche.
Schon bevor ich das Flugbrevet hatte, sah ich den Gleitschirmen auf dem Muottas Muragl gerne zu.
In diesem Jahr, 2025, gab es rechtzeitig für mich ein sonniges Hochdruckgebiet: Ideale Bedingungen winkten.
Damit ich auf dem Muottas Muragl fliegen darf, muss ich mich beim Flughafen Samedan anmelden. So telefonierte ich zum Flughafen und teilte die ungefähre Startzeit sowie meine SHV-Nummer mit. Die Erlaubnis wurde mir erteilt. Es seien noch mehrere andere Piloten oben, und sie wünschten mir einen schönen Flug.
Von Punt Muragel geht es mit der Standseilbahn auf den Muottas Muragl, wo der Startplatz liegt.
Oben angekommen, traf ich wirklich ein paar einheimische Piloten, mit denen ich mich kurz über Wildschongebiete, Flughafen und die Windsysteme austauschte.
Der Startplatz liegt gleich neben dem Restaurant.
Nach dem Abheben geht es gleich nach oben, und so konnte ich mit der ersten Kurve das Restaurant überfliegen. Diese Thermik wurde gleich ausgedreht, und oben angekommen, staunte ich über die wunderbare Aussicht:
Die zugefrorenen Seen mit den verschneiten Bergen.
Mein Flugweg ging dem «Philosophenweg» entlang, der sich über die Bergebene hinzieht.
Für mich ist es schon eine schöne Erfahrung, wenn ich mit dem Gleitschirm hoch in den Himmel steige und mich in der grossartigen Landschaft demütig fühle.
Welche Faszination, dass wir dank dem heutigen Stand der Technik mit einem Stück Stoff und ein paar Leinen die Freiheit vom Fliegen geniessen können! Einfach fantastisch.
So kreiste ich bis zu zwei Stunden am Tag, bis mir die Finger fast abfroren, und ich den Landeplatz anflog. Der Weg zum Landeplatz führte nochmals durch den Thermikschlauch, womit ich immer sehr hoch im Tal ankam.
An einem Nachmittag war der Wind sehr stark und es flogen nur Piloten, die es wirklich im Griff hatten. Die Schirmkontrolle dieser Piloten erstaunt mich und es machte Freude, ihnen zuzuschauen, wie sie elegant mit dem Schirm auf das Geländer abstanden und wieder weiterflogen.
Als sich der Wind abschwächte, konnte ich einen wunderschönen Flug in den Sonnenuntergang geniessen. Beim Landeplatz angekommen, musste ich meinen Schirm vorsichtig zusammenlegen, weil der Schnee schon wieder gefroren war und sehr scharfe Kanten entstanden waren.
Ein Highlight von dieser Woche war auch der Start auf dem Corvatsch.
So konnte ich meinen höchsten Start auf 3250 m vollbringen und genoss den Abgleiter über dem Sankt Moritzer See. Von Einheimischen wurde mir gesagt, dass ich nicht mehr als die Hälfte auf den See fliegen darf, was ich auch eingehalten habe. Das Tal ist auch die Anflugstrecke für den Flughafen Samedan. Ich staunte nicht schlecht, als ein Jet ca. 200 m vor mir durchflog.
Somit ist mir auch klar, warum der Start von der Corviglia nur den Tandempiloten zur Verfügung steht.
Das Fliegen im Oberengadin ist durch die Kulisse einfach ein Traum. Am besten sind die Jahreszeiten Herbst und Winter, da es im Frühling und Sommer sehr starke Winde und Thermiken hat.
Gerne gebe ich den Stafettenstab weiter an Simon Wenger.


