Der hat mir noch gefehlt!
Der hat mir noch gefehlt!
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Erlebt und geschrieben von Jörg Mäder

Seit Jahren habe ich mir vorgenommen, alle Berge, die von unserer Terrasse von Feldbach aus zu sehen sind, zu besteigen und wenn möglich zu befliegen. Vieles war einfach, oft auch Familienwanderungen mit Luftabstieg. Aber zwei Gipfel blieben immer auf der Liste. Auf den für mich schwierigen Mürtschenstock konnte ich schliesslich dank Gonzo kraxeln und oben starten. Aber eben, einer fehlte lange noch, der Bächistock, mit 2915 Metern der höchste Gipfel des Glärnischmassivs.
Der populärste Glärnischgipfel ist sicher das stark frequentierte Vrenelisgärtli, es wird normalerweise in zwei Tagen mit einer Übernachtung in der SAC-Glärnischhütte begangen. Aber die Startverhältnisse sind da oft heikel; auch das spricht für den weniger begangenen Bächistock. Sieben Iisvögel können sich für die Tour begeistern, allerdings möchte die Mehrheit die Tour in einem Tag machen und nicht in der Hütte übernachten. Der Kompromiss besteht darin, dass wir uns morgens um 4:45 Uhr das offizielle Bustaxi leisten. Alpen-Mary fährt uns rassig auf die Alp Käsern und erspart uns gut eineinhalb Wanderstunden auf der Strasse.
Die Wetter- und Windprognosen sind gut und noch im Dunkeln machen wir uns mit unseren schweren Rucksäcken – nicht alle haben einen Leichtschirm – an den Hüttenaufstieg. Als es nicht so richtig hell und freundlich werden will, sehen wir, dass die Gipfel noch in Wolken hängen. Und just als wir in der Hütte eintreffen, beginnt es tatsächlich zu tröpfeln. Das ist ein Zeichen von oben, unseren Verpflegungshalt in der Hütte etwas auszudehnen. Den Hüttenwart freut’s.
Zu lange dürfen wir aber nicht warten, noch liegen weitere 1000 Höhenmeter vor uns. Normalerweise erfolgt der Anstieg durch das hintere Couloir. Da erinnert sich Manu, dass er vor Jahren nach einer Klettertour durch die Südwand im Abstieg den Gemspfad genommen hat. Diesen habe er selber mit einigen gelben Punkten markiert und er sei von der Schwierigkeit her höchstens T5. Da die aktuelle Situation des Bergschrundes im Couloir nicht ganz klar ist, entscheiden wir uns spontan für diese Variante. Tatsächlich geht es auf Wegspuren in leichter Kraxelei zügig aufwärts. Der Gipfel ist immer noch wolkenverhangen und Manu kündet eine etwas heiklere Stelle an. Beim Fliegen habe ich keine Höhenangst, aber auf diesen 25 Metern, die mir viel länger vorkommen, ist mir gar nicht wohl. Rechts kann man sich nirgends halten und links geht es nach einigen Metern hinunter in die Nordwand. Jetzt nur nicht ausrutschen, den schweren Rucksack ausbalancieren und auf die Haftung der Vibram-Sohle vertrauen! Später wird Pipo dazu im Chat nur trocken schreiben: Die Schlüsselstelle war mental äusserst anspruchsvoll, technisch aber doch einfach. Nachdem das Zittern der Knie und das Gejammer endlich abgeklungen war, stiegen wir im Nebel zügig zum Gipfel...
Nördlich von Punkt 2683 erreichen wir den Bächifirn und wir montieren die Steigeisen. Alex meint nur: Es ist schliesslich Juli, ich bleibe in den kurzen Hosen. Erst als wir dann vierzig Minuten später nach unschwierigem Schlussanstieg den nebligen Gipfel erreichen, ziehen sich alle die warmen Jacken an. Das Panorama von hier muss atemraubend sein – das lesen wir in den Gipfelbucheinträgen...
Aber dann, eine Stunde später drückt sie durch, die Sonne. Vor uns liegt die ganze breite Hochfläche des Bächistockfirns. Dieses strahlend weisse Dach leuchtet markant in die ganze Nordschweiz hinaus und ist eine problemlose NW-Spielwiese für viele Schirme –wenn man erst mal oben ist! Schnell legen wir aus und bald sind die ersten beiden Piloten in der Luft. Dank des perfekten Aufwindes liegen sogar einige Platzrunden und Ground-Handling- Spielereien (oder sagt man Glacier-Handling?) drin.
Bald sind alle in der Luft und wie immer bei erfolgreichen Hike & Fly – Touren, sind die 5 Stunden Aufstieg und alle Schwierigkeiten sogleich vergessen. Knapp 7 Kilometer Flug und 2000 Meter Höhendifferenz liegen vor uns. Am Näbelchäppeler, heute ohne Nebel, vorbei folgen wir Armin und können sogar nochmals an die Basis aufdrehen und danach das fantastische Panorama auf dem Flug hinunter zum türkisblauen Klöntalersee geniessen.
Kaum gelandet renne ich davon Richtung Parkplatz. Es ist aber nichts geschehen, ich hole nur die obligate Kühlbox und noch im Gurtzeug stossen wir mit dem Landebier auf die gelungene Tour mit Happy End an.
Nun habe ich nach 39 Flugjahren dank meinen Flugkameraden alle von meinem Zuhause sichtbaren Gipfel und Hügel „abgehakt“. Inzwischen sind auch noch Tödi und Weissmies dazu gekommen - aber das sind andere Geschichten. Die nächste Fluggeschichte an dieser Stelle erwarten wir mit Spannung von Marcel Bodmer.


















