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Hike & Fly Tandemflug vom Wildstrubel


18. Juni 2026

Hike & Fly Tandemflug vom Wildstrubel

  • Erlebt und geschrieben von Manuel Bär
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«Was? - Mir sind scho fasch uf 4’000?» rief mein Freund Christian nach einem Blick aufs Vario, als wir über dem Albristhorn an der Wolkenbasis ankamen. «Yes! Sehr cool!  – Magsch no sitze?» fragte ich, weil er mit angewinkelten Beinen in dem spartanischen Gurtzeug sass und es ziemlich unbequem aussah. «No ewig! Mir flüged dänk, so lang mer chönd!» lachte er. Da ich höchstens von einem verlängerten Gleitflug ausging, hatte ich mich für ein minimalistisches Passagier-Sitzli entschieden. Aber ihm, der damals mit Air-Bulle-Sitzbrettli zu Fliegen angefangen hatte, machte das nichts aus.

Das Datum Ende August 2023 hatten wir schon Monate im Voraus abgemacht, weil wir beide weit auseinander wohnen. Petrus war uns gut gesinnt: Schönes, fast schon herbstliches Wetter wurde prognostiziert, mit wenig Wind in der Höhe – perfekt für eine Hochtour. Weil Christian im Gürbetal zuhause ist, war der Wildstrubel schon länger als Hike&Fly-Projekt in unseren Köpfen.

Eigentlich wollten wir im Fluhseehüttli übernachten - ein Adlerhorst hoch über der Lenk. Aber die 14 Betten waren leider schon besetzt. So wichen wir auf die mit Kabeln und Masten umgebene, weniger romantische Wildstrubelhütte aus. Die SAC-Hütte westlich der Plaine Morte glänzte dafür umso mehr mit freundlichem Personal und einer gemütlichen Terrasse.

Da die Plaine Morte ja ein richtiger Gletscher ist, hatten wir selbstverständlich die gesamte Hochtourenausrüstung dabei. Pickel, Steigeisen, Seil etc. Wir staunten nicht schlecht, als wir einen komplett flachen, aperen Gletscher antrafen, welchen wir auch mit Turnschuhen hätten überqueren können.

Nach 500 Höhenmetern Geschirr und Geröll standen wir um die Mittagszeit auf dem flachen Gipfel. Während der ausgiebigen Mittagsrast beobachteten wir Wind und Wetter und mussten uns für eine Startrichtung entscheiden. Wegen den Thermikablösungen war die Windrichtung nicht so eindeutig. Aber die Hoffnung auf einen verlängerten Gleitflug wuchs. Als ich beim Umpacken Seil und Steigeisen in die Protektor-Tasche unter meinem Sitz verstaute, kommentierte das Christian mit leichtem Stirnrunzeln. Den Schaumstoffprotektor rauszunehmen war meine einzig mögliche Massnahme, um am Pilotensitz Gewicht und Volumen zu optimieren. Den Notschirm wollte ich nicht ausbauen…

Der Start Richtung Westen gelang prima und wir flogen sofort auf die Südseite, fanden jedoch keine ausreichend starke Thermik. Unser Ziel war die Lenk, also drehten wir ab, bestaunten die schroffen Nordflanken des Strubels und winkten dem Fluhseehüttli weit unter uns. Über dem Ammertegrat konnten wir einen Moment die Höhe halten, aber erst über dem Ammertespitz stieg es zuverlässig. Christian hatte die Steuerleinen übernommen und drehte auf, als hätte er nie eine Flugpause eingelegt.

Die Niesenkette lief wie am Schnürchen, nur am Standhore chnorzten wir ein wenig herum. Irgendwann fragten wir uns, wie das eigentlich mit dem Luftraum in Reichenbach aussieht. Zum Glück konnten wir am Fromberghorn nochmal Höhe machen, so dass es knapp über die Stockhornkette reichte. Jetzt müsste uns nur noch der Talwind zur Möntschele rüber und dem Gurnigel entlang schieben, und wir wären bei Christian zuhause.

Tja, das war nun doch zuviel verlangt. Nach zweieinhalb Stunden landeten wir mit einem riesen Smile auf dem offiziellen Landeplatz in Blumenstein, acht Kilometer von Christians Haus entfernt.

Es war mit 37 km freier Strecke mein persönlicher Tandem-Rekordflug, aber vor allem ein unvergessliches Erlebnis mit einem guten Freund. Und Streckenfliegen mit dem Biplace macht wahnsinnig viel Spass! Man kann sich an den Bremsgriffen abwechseln, Entscheidungen besprechen und sich zusammen am Moment erfreuen.

So oder so bin ich jedesmal von neuem fasziniert, was mit dem geschickt zusammengenähten Stück Ripstop alles möglich ist.

Gerne gebe ich den Stab an Jörg Mäder weiter.