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Weihnachtsflüge in Brasilien


20. April 2026

Weihnachtsflüge in Brasilien

  • Erlebt und geschrieben von Oliver Fluck
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Danke dir, Sander, für die Übergabe des Stafettenstabs.

Vom wilden Island geht es nun an die Sonne Brasiliens.

Eigentlich sollte ich ja nur über einen einzigen speziellen Flug schreiben – aber wer schon mal in Brasilien war, weiss: dort läuft selten nur eine Sache auf einmal. Da beide Flüge zusammen ein gemeinsames Erlebnis waren, nehme ich mir die Freiheit, ausnahmsweise gleich über zwei zu berichten.

Weihnachten 2022 reiste ich mit meiner Familie nach Brasilien, direkt an die Küste. Neben dem üblichen Feriengepäck fand auch mein Gleitschirm seinen Weg in den Koffer – man weiss ja nie.

Und tatsächlich, nach ein paar Tagen konnte ich mich bei idealem Wind davonstehlen.

Mein erster Flug: Morro do Careca, Balneário Camboriú

Der erste Spot: Morro do Careca (Glatzkopfhügel), bei Balneário Camboriú. Ein bewaldeter Hügel mit einer kleinen Wiese als Startplatz zuoberst, – idyllisch auf den ersten Blick, etwas respekteinflössender auf den zweiten, wenn der Wind mit gut 25 km/h an einem vorbeipfeift. Als Anfänger, der das Fliegen vor allem aus den ruhigeren Voralpen kennt, war das eine neue Herausforderung. Der Wind hier zwar stärker als gewohnt, dafür aber sehr laminar. Nach einer kurzen Einführung ins Fluggebiet durch einen echt coolen lokalen Fluglehrer und Tandempiloten namens Dudu, ging es dann zum Start. Dieser verlief problemlos: Rückwärts aufziehen, ausdrehen, ein Schritt - und schon flog es.

Sofort konnte ich am «Glatzkopf» Höhe gewinnen. Unter mir: Dschungel, eine Hotelanlage, und vor mir die atemberaubende Skyline von Balneário Camboriú. Sechs Kilometer Hochhäuser direkt am Meer, wie eine brasilianische Version von Miami. Bei passendem Wind kann man dieser Skyline sogar entlangsoaren. An unserem Tag stimmte der Wind leider nicht ganz dafür.

Das Fluggebiet ist ohnehin ein geschäftiger Ort. Vor allem Tandempiloten mit Touristen, überall Betrieb, am Startplatz und in der Luft. Und mittendrin: Ich mit meinem Schwager, der gleichzeitig als Passagier bei Dudu im Gurt sass. Familienflug, sozusagen.

Als ich dann endlich genug hatte, die Landung. Direkt am Strand, wunderschön. Ich wollte unbedingt verhindern, dass mein Leichtschirm Sand frisst oder gar Salzwasser abbekommt. Darum legte ich ihn «elegant» auf ein kleines Gestrüpp direkt neben dem Sand und verursachte dabei ein kleines Loch. Dudu reparierte es gleich für mich – echt hilfsbereit, typisch brasilianisch halt.

 

Der zweite Flug: Pico de Atalaia, Itajaí

Ein paar Tage später, Nordostwind, Pico de Atalaia bei Itajaí. Perfekte Bedingungen für diesen Spot. Der Startplatz wieder: Kleine Wiese im Dschungel, die Aussicht atemberaubend – Strand, Hafen, und ab und zu ein riesiges Containerschiff oder sogar ein Kreuzfahrtschiff, das majestätisch in See stach.

Der Flug fand am späteren Nachmittag statt, die Sonne neigte sich, das Abendrot zog langsam auf. Der Start war wieder problemlos mit einem schönen, konstanten Wind. Bald schwebte ich irgendwo hoch über dem Dschungel mit Blick auf Stadt, Meer und Hafen. Dudu war ebenfalls in der Luft – mit Passagier und Kamera. Schönste Bürostimmung.

Die lokalen Piloten haben mir vor meinem Abflug empfohlen, am besten eine Toplandung zu machen. Die Landemöglichkeiten am Strand und in der Umgebung waren sehr begrenzt und wegen den vielen Touristen an der Beach nicht zu empfehlen. Also hiess es zurück auf die kleine Wiese im Wald landen – klingt machbar, ist es aber nicht unbedingt. Der Wind blies weiterhin kräftig, und bei jedem Anflugversuch hob er mich wieder hoch, als wolle er sagen: «Nein, nein, bleib noch ein bisschen.» Zum Glück war Dudu inzwischen wieder gelandet und meldete sich per Funk – er hatte mir vorsorglich ein Gerät mitgegeben, der Schlaue.

Sein Tipp: Ohren anlegen, etwas versetzt unterhalb des Startplatzes absinken, Ohren wieder öffnen, seitwärts anfliegen, während man wieder leicht steigt – und dann landen auf der Wiese. Funktionierte beim ersten Anlauf. Nicht ganz perfekt, aber sicher. Ich war froh.

Fazit: Obrigado, Danke

Brasilien im Gleitschirmgepäck – gute Entscheidung. Das Küstensoaring ist eine völlig andere Welt als die Thermik in den Alpen. Die Landschaft ebenfalls spektakulär, Dschungel, Meer, Skyline, Containerschiffe. Ich hätte gerne noch einen dritten Flugtag angehängt, aber mit 30 km/h Wind und meinem braven A-Schirm entschied ich mich für die Vernunft. Manchmal ist das die beste Lösung.

Was mich fast noch mehr beeindruckt hat als die Flüge selbst: Die Gastfreundschaft der lokalen Gleitschirm-Community und allgemein der Brasilianer. Dudu und die anderen Piloten vor Ort haben mich aufgenommen wie einen alten Bekannten, Löcher geflickt, Funk organisiert, per Stimme durch schwierige Landungen gelotst. So etwas vergisst man nicht.

Vielleicht sieht man sich mal wieder – irgendwo zwischen Dschungel und Skyline, wenn der Wind stimmt.

Nun gebe ich den Stafettenstab an Thomas Conzett weiter und bin sehr auf seine Geschichte gespannt!