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Ein Soaring Abenteuer in Island


16. März 2026

Ein Soaring Abenteuer in Island

  • Erlebt und geschrieben von Sander Donker
Vorlesen

Vielen Dank Florian für die Übergabe des Stafettenstabs!

Reisekontext und die "Schirm-Frage"
Island im August bedeutet normalerweise: 
Wind, der dir die Autotür aus derVerankerung reißt, 
horizontaler Regen und Wetterwechsel im Fünf-Minuten-Takt. 
Nicht das, was man sich unter perfekten Flugbedingungen vorstellt. 
Wir waren als Gruppe auf einer Rundreise unterwegs, und das Gleitschirmfliegen stand eigentlich nicht im Vordergrund. 
Dennoch stellte sich beim Packen die „Schirm-Frage“: 
Soll ich das Gurtzeug und den Flügel wirklich mitschleppen? 
Die Wahrscheinlichkeit, in Island tatsächlich in die Luft zu kommen, ist statistisch gesehen nicht besonders hoch.
Schlussendlich siegte der Optimismus. Die Ausrüstung wurde in den Mietwagen
gequetscht, allerdings mit der klaren inneren Einstellung: Das Zeug wird wohl die
meiste Zeit nur als Ballast dienen. 
In Island lernt man schnell: Erwarte nichts, dann wirst du vielleicht überrascht.
Glück hatte ich bereits am dritten Tag, denn auf einer kleinen Wanderung war es
möglich, einen ersten Abgleiter zu machen. Um diesen soll es aber in meiner
Geschichte gar nicht gehen.

Der Flugtag: 26. August 2024 in Vík
Am 26. August 2024 erreichten wir Vík í Mýrdal, den südlichsten Zipfel der Insel. 
Vík ist berühmt für seine schwarzen Strände und die Reynisdrangar-Felsnadeln, die wie
versteinerte Trolle aus dem Wasser ragen. Die Prognose war an diesem Tag fast schon
unheimlich gut: Ein konstanter, laminarer Wind aus Südosten.
Als wir an der Küste standen, beobachtete ich einen ersten Piloten, der bereits in der
Luft war. Wir waren also nicht die Einzigen, die auf die Idee kamen, an diesem Tag
Gleitschirm zu fliegen.

Der Kampf mit dem Startplatz
Was von unten wie eine harmlose, grüne Wiese aussah, entpuppte sich beim Aufstieg
als echter Problem-Hang für Gleitschirmleinen. Der Startplatz war steil und überzogen
mit salatgroßen Büschen, in denen sich die Leinen konstant verfingen.

Das Flugerlebnis: Zwischen Ozean und Eis
Nach mehreren Fehlversuchen, von der „Wiese“ zu starten, haben wir es dann
schlussendlich in die Luft geschafft.
Sobald ich die Kante verlassen hatte, war der Frust über das Gestrüpp wie
weggeblasen. Das Soaring-Gefühl in der isländischen Meeresbrise ist einzigartig. 
Man gleitet in absolut ruhiger Luft, während unter einem die gewaltigen Wellen des Atlantiks
gegen den schwarzen Sand donnern.
Der Kontrast war visuell fast schon überfordernd: Vor mir die endlose Weite des
dunklen Ozeans, und im Rücken, nur einen Blick über die Schulter entfernt, die kalte,
weiße Pracht der großen Gletscher. Ein einzigartiger Ausblick, der sich schon stark von
unserem schönen Flugpanorama in den Alpen unterscheidet.

Wenn die Finger zum Sackhegel werden
Trotz der Euphorie fordert Island irgendwann seinen Tribut. Die Bedingungen waren so
perfekt zum Fliegen, dass man den ganzen Tag oben hätte bleiben können. Aber da wir
niemals dachten, dass wir so lange fliegen können, hatten wir die dicksten
Winterkleider nicht mitgenommen. Alles musste auch noch ins Flugzeug passen. Auch
dachten wir, dass wir maximal einen H&F (Hike & Fly) machen können – keine
mehrstündigen Soaringflüge. So waren wir gezwungen, uns zum Landeplatz zu
begeben, welcher einfach das lokale Fußballfeld war.
Nach der Landung auf dem Fußballfeld trafen wir einen Local, welcher im Dorf wohnte.
Wir kamen ein wenig ins Gespräch. Er meinte, dass wir sehr Glück haben, denn sie
haben nur drei bis vier Tage im Jahr, an denen das Wetter überhaupt so schön und
sonnig ist.
Dass wir genau an diesem Tag in Vík waren, um zu fliegen – da haben wir es tatsächlich
geschafft, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Mystik im Nebel
Nach einer kurzen Aufwärmpause im Café haben wir uns auf den Weg für einen zweiten
Flug gemacht. Doch die Szenerie hatte sich gewandelt. Vom Meer her rollte eine dicke,
feuchte Luft ins Inland. Die Sicht wurde immer geringer, aber die Stimmung war
trotzdem extrem schön. Leider half uns dies bei der beissenden Kälte nicht, denn diese
wurde nur noch schlimmer. Auch wurde der Wind etwas stärker, wodurch man
teilweise gut steigen konnte, aber die Temperaturen dort ließen einen schnell wieder
sinken.

Vom Erlebnis habe ich auch eine kleine Impression in Videoform auf meinem YouTube
Kanal gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=fAWCGDTn5T8

Den Stafettenstab übergebe ich gerne Oliver Fluck, und bin gespannt, 
was er zu erzählen hat.

Sander Donker