Flug in Yaylacik
Flug in Yaylacik
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Erlebt und geschrieben von Florian Brändli

Ich danke Thomas für die Übergabe des Stabs der Flugstafette.
Hierfür habe ich ein Abenteuer aus der Türkei.
Dass es mich in den Herbstferien in die Türkei verschlagen hat, verdanke ich einem Flug von der Alp Scheidegg mit Landung zuhause in Bubikon. Nach der Landung traf ich einen Fussgänger, der nach kurzem Gespräch meinte, ich solle in der letzten Oktoberwoche nach Ölüdeniz in die Gleitschirmferien gehen. Als ich später gemütlich auf dem Sofa sass und mir das Fluggebiet genauer angeschaut habe, war klar: Dort muss ich hin!
Also ging es Ende Oktober nach Ölüdeniz. Die Thermikvorhersage war für die ganze Woche bombastisch.
Mein Tagesablauf sah wie folgt aus: gemütlich frühstücken, um 10:00 Uhr zum Startplatz und dann auf Strecke gehen. Falls ich für einen Sonnenuntergangsflug noch Zeit hatte, diesen ebenfalls geniessen.
Was will man mehr als Gleitschirmpilot?
Nun hatte ich schon seit drei Tagen diesen Ablauf. Eine Abwechslung wäre schön. Für den Montag sieht die Prognose beim Startplatz Yaylacik sehr gut aus. Dieser liegt in der Nähe von Çameli und ist mit dem Auto zwei Stunden entfernt. Ich finde heraus, dass der Bus um 7:00 Uhr von Fethiye losfährt und um 8:30 Uhr in Çameli ankommt. Mein Problem: Von Ölüdeniz fährt kein Bus vor 7:00 Uhr nach Fethiye. Also stehe ich am Morgen um 6:30 Uhr an der Strasse und hoffe, es funktioniert mit Autostopp. Nach nicht allzu langem Warten bemerkt ein Mann mein Handzeichen und nimmt mich mit nach Fethiye zum Busbahnhof. Nach einem spannenden Gespräch erreiche ich die Busstation um 6:57 Uhr. Nun kann nichts mehr schiefgehen.
Die Fahrt führt uns von der Stadt ins Gebirge. Um 8:30 Uhr kommen wir im Dorf Çameli an. Von dort aus nehme ich ein Taxi, das mich direkt zum Startplatz fährt. Der Startplatz ist mit Kunstrasen ausgelegt und hat einen Tower in der Mitte. Dieser hat allerdings die Aufgabe, nach Waldbränden Ausschau zu halten. Am schönsten ist aber, dass ich der Einzige am Startplatz bin.
Ich bereite alles für den Start vor, und schon bald bin ich in der Luft. Mit dem ersten Thermikschlauch geht es dann richtig los. Es ist schön in dieser Region – ohne die Ölüdeniz-Piloten, die kreuz und quer fliegen. Ich versuche, Richtung Ölüdeniz zurückzufliegen, aber schon vor der ersten Talquerung fehlt mir der Mut, um den Anschluss ans Gebirge zu meistern. Somit drehe ich wieder und fliege Richtung Çameli.
Ich erreiche eine Höhe von 3000 m über Meer und geniesse den Ausblick. Wunderschön, diese Landschaft! Nun erreiche ich Çameli. Hoch über dem Dorf spirale ich hinunter und suche mir einen Landeplatz. Am Landeplatz ist es thermisch aktiv. Ich brauche ein paar Versuche, lande aber schlussendlich auf einem grossen Feld.
Schnell zusammenpacken und Richtung Zentrum von Çameli gehen. Der Bus kommt sogleich, und ich verlasse diese schöne Landschaft. Bei der Fahrt zurück nach Fethiye hält der Busfahrer immer wieder an und füllt die Gepäckablage mit Produkten der Bauern aus der Region. Das erinnert mich an das Postauto von früher.
Es ist schon wieder dunkel, als ich bei meiner Unterkunft ankomme. Müde, aber voller Erinnerungen an den spannenden Tag. Natürlich war es nicht der längste Flug meiner Ferien, aber eine sehr abenteuerliche Reise.
Nun übergebe ich den Stab an Sander Donker und bin gespannt auf seinen Flug.


